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#nochsonringparabelding

veröffentlicht um 28.04.2018, 11:58 von D. Körner   [ aktualisiert: 11.09.2018, 10:40 ]
Am Donnerstagabend, den 26.4.2018, um 20.00, beginnt im
Parks die ausverkaufte Vorstellung der Theatergruppe der BOS
unter der Leitung von Frau Wagner-Obenauf und Frau Zwick.
Dieses Jahr hat sich die Gruppe einem Thema zugewandt, das
fast so alt ist, wie die Menschheit selbst: Religion und die Frage‚
welche ist denn nun die richtige: Judentum, Islam oder
Christentum?‘ in Anlehnung an Lessings Ringparabel aus
Nathan der Weise.
Diese wird in fünf unterschiedlichen Szenen inszeniert. In der
ersten Szene wird einem Bayern die nahezu unveränderte
Version der Ringparabel erklärt: ein liebender Vater hat einen
Ring, der seinen Träger bei allen Menschen beliebt macht.
Dieser Schmuck wird immer an den meist geliebten Sohn
weitergegeben – was aber, wenn der Vater drei Kinder hat und
diese gleichermaßen liebt?! Genau gleiche Kopien anfertigen
lassen und diese weitergeben …
Nach dem Tod des Vaters jedoch fliegt der Schwindel auf und
die Kinder gehen zum Richter – der nur feststellen kann, dass
alle Ringe gleich sind.
Was nun?
In den weiteren Szenen zeigt die Theatergruppe u.a. den
Absolutheitsanspruch jeder einzelnen Religion, den schier
endlosen Krieg zwischen den Religionen, schwelenden Hass
und den Wunsch nach mehr Toleranz.
Zusätzlich projizierte Bilder und eingespielte Musik unterstützen
die schauspielerische Darbietung.
Im letzten Bild, einer fiktiven talkshow, wird ein letztes Mal die
Auseinandersetzung der drei Religionen ausgetragen mit dem
überraschenden Ergebnis, dass alle Religionen die gleiche
Mutter hätten…

Lessings Ringparabel und das inszenierte Stück zeigen ein
weiteres Mal, dass dieses Thema brisanter ist denn je, wenn
heute an deutschen Schulen Kinder aufgrund ihrer
Religionszugehörigkeit gemobbt, und immer noch Kriege wegen
unterschiedlicher Glaubensrichtungen geführt werden.
Fundamentalistisches Denken und Beharren auf dem eigenen
Standpunkt führen ins buchstäbliche Nichts.
Ein interreligiöser Dialog birgt Lösungspotenzial, da er die
Religionen miteinander ins Gespräch bringt und eher
Gemeinsamkeiten, denn Unterschiede fokussiert.
Dieses Zwiegespräch wird jedoch erst dann möglich, wenn
jeder einzelne seine Religion kennt und dem Gegenüber diese
erklären kann oder man die Gemeinsamkeiten in den
Schilderungen des Gegenübers entdeckt.
Genau deswegen ist das Fach Religionslehre auch an unserer
Schule wichtig, da der Weg für den interreligiösen Dialog
angebahnt wird und dieser tatsächlich zwischen Schülerinnen
und Schülern unterschiedlicher Kulturen stattfinden kann.
Eins ist jedenfalls sicher: Lessings Ringparabel und die damit
verbundene Frage nach der einzig wahren Religion ist und
bleibt aktuell.
Wer diese Inszenierung nicht gesehen hat, hat tatsächlich
etwas Großartiges verpasst.

Text: Eva Seufert





Fotos: Körner