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WIR sind Faust!

veröffentlicht um 15.05.2019, 13:37 von Holger Schauer   [ aktualisiert: 16.05.2019, 11:56 ]
Sind wir nicht alle ein bisschen Faust? Am heutigen Abend, den 6.5., im Parks am Berliner Platz ab 20.00 Uhr, könnte man es fast meinen.

Klassischer Stoff neu inszeniert von Frau Nina Wagner-Obenauf und Frau Doris Zwick mit tatkräftigem und schauspielerischem Engagement des Schultheaters.
Zu Beginn findet der Prolog im fingierten Klassenzimmer statt, Schüler und Schülerinnen hasten zwischen Stunden, Vokabeln und Formeln hin und her – können, wie Faust, weder Moment noch Glück genießen.
Faust tritt danach aus der Menge heraus und hinterfragt jedoch das ganze Studium - er ist unglücklich. Mephisto bietet ihm, wie in Goethes Faust, einen Handel an, den Faust gerne annimmt – raus aus dem angestaubten Zimmer, rein ins Leben.
Im Theaterstück trifft Faust in einer Disco auf Gretchen, das Wiedersehen findet in der Universität im Plenarsaal statt, wo Faust die Seminararbeit Gretchens würdigt – beide werden ein Paar.
Der moralische Verfall Gretchens und der des Dr. Faustus wird immer wieder gekonnt in Zwischensequenzen mit Hilfe aufgestapelter Kartons beklebt mit aufgedruckten Werten, wie Fleiß, Liebe, Ehrlichkeit, Glaube und Unschuld ins Szene gesetzt, die zunächst umgeschichtet werden, aber dann, nachdem sich Faust mit Hilfe von Mephisto Gretchens Bruder Valentin entledigt hat, endgültig einstürzen.
Gretchens Part, zerrissen in ihrem Inneren, wird im letzten Bild deshalb von mehreren Personen übernommen, sie vertraut auf Gott, schwört Faustus ab, der mit Mephisto entkommt, wohl wissend, dass er nun der Knecht ist.

Das Stück regt zum Nachdenken an, da wir alle versuchen sollten, jeden Moment zu genießen und dann eben nicht wie Faust, im Alter feststellen zu müssen, wir haben etwas verpasst, können aber die Zeit nie mehr zurückholen.

Eva Seufert


[Fotos: Holger Schauer]
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