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Punks, Heavys und Verräter

veröffentlicht um 01.03.2018, 00:21 von D. Körner   [ aktualisiert: 01.03.2018, 23:27 ]
Ein persönlicher Rückblick auf die DDR: Thomas Lukow an der Staatlichen BOS Nürnberg

Was kann man aus der Geschichte eigentlich lernen? Zum Beispiel wie wenig selbst­verständlich es ist, in Freiheit und rechts­staatlichen Verhält­nissen zu leben, in denen es einem selbst über­lassen ist, wie lange man die Haare trägt und welche Musik man hört. Aber auch, dass es für viele Menschen recht bequem ist, sich einem Kollektiv anzu­passen ohne selbständig zu denken. Dazu kann Thomas Lukow viele Geschichten erzählen, der auf Ein­ladung der Hanns-Seidel-Stiftung am 28.02.2018 als Gast­referent an der Staatlichen Berufs­oberschule auftrat.

Lange Zeit lief für ihn alles nach Plan: Jung­pionier, FDJ-Sekretär, aussichts­reicher Student - bis er anfing, die Dinge in Frage zu stellen, aus der FDJ austrat und sich einer Under­ground­band anschließ.

Sein Weg führte ihn schließlich nach einem geschei­terten Aus­reise­­ver­such und der Denunziation aus seinem privaten Umfeld in das Stasi-­Gefängnis nach Hohen­schön­hausen, später nach Bautzen.

Insgesamt verbrachte er 20 Monate in Haft­anstalten, nicht unbedingt viel im Vergleich zu anderen Dissidenten, aber genug, um die Mechanismen von Ent­individuali­sierung und Ent­solidari­sierung zu verstehen, die eine Diktatur ausmachen. Seit über 20 Jahren recherchiert und referiert Lukow nun schon zur Geschichte der DDR u.a. im Rahmen des Stasi­museums.

[Text: Dr. Rongstock]
[Bild: Falb]