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Besuch der Vorklassen im KZ Flossenbürg

veröffentlicht um 25.07.2019, 23:25 von Holger Schauer   [ aktualisiert: 25.07.2019, 23:27 ]
Bei der Ankunft war das Wetter recht kühl (9:30 Uhr). Am Eingang hat man noch nichts geahnt, denn es wirkte sehr idyllisch. Es hatte den Anschein, dass man gleich eine Wanderung unternehmen würde. Doch das änderte sich schnell, als die Führung zum Steinbruch führte, wo die Häftlinge jeden Tag aufs Neue leicht bekleidet und mit leerem Magen 12 Stunden Gestein abbauen mussten, egal aus welchem Berufsfeld die Insassen kamen (Anwälte, Ärzte oder Beamte). Das Mittagessen war ungenießbar, weil die Speisen meistens verfault waren. Erholung war im Lager ebenfalls ein Fremdwort, denn die Häftlinge mussten in nicht isolierten und überfüllten Baracken schlafen, in denen sie sich zu fünft oder zu sechst ein Bett teilen mussten. Gewöhnlich benötigt man heutzutage zum Duschen 15 Minuten. Diese Zeit war auch für Häftlinge vorgesehen, nur das hier mehrere Tausend Flüchtlinge in dieser Zeit gleichzeitig geduscht und angezogen sein mussten.
Damit es unter den Häftlingen zu keinen Aufständen kam, hat man diese hierarchisch in Gruppen eingeteilt und gekennzeichnet (zum Beispiel Juden, Tschechen, Polen, Homosexuelle). Dann gab es auch Sonder- und Funktions-Häftlinge. Erstere wurden isoliert und geheim gehalten (zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer, ein Theologe, der am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt war und hier im KZ starb). Letztere dienten als verlängerter Arm der SS, um andere Häftlinge zu quälen und zu erniedrigen und um einen Keil zwischen diese zu treiben. Deswegen hatten sie gewisse Privilegien, wie zum Beispiel mehr Essen oder wärmere Kleidung.
Im Anschluss besichtigten wir das „Tal des Todes“, den damaligen Hinrichtungs- und „Entsorgungs“-Platz, an dem heute verschiedene Gedenktafeln an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.
Es stellt die erste Gedenkstätte in ganz Europa da. Offiziell spricht man von circa 100.000 Insassen, wovon 30.000 nicht überlebt haben. Inoffiziell dürften es noch mehr sein. Wo damals die Baracken standen, wurden nach dem Krieg Flüchtlinge angesiedelt, deren Nachkommen heute noch dort leben. Die Häuser wurden ihnen als Entschädigung überlassen.
Die Führung war für uns mehr als interessant. Man weiß so viel von der NS-Zeit, man hört so viel in der Schule, aber wenn man am Ort des Geschehens ist, ist das ein ganz anderes Gefühl. Manche Dinge sind sogar zu heftig um sich klarzumachen, wie unmenschlich alles zuging.
Man steht vor ist historischen Schauplätzen, Baracken oder vor dem Krematorium und hört sich die schrecklichen Geschichten dazu an und kann nur den Kopf schütteln, weil man sich nicht im Entferntesten vorstellen kann, wie viel Leid dahinter steckt. Egal ob das KZ in Flossenbürg, Dachau oder in Weimar, ein Besuch ist jetzt empfehlen.

Text und Fotos: VKWA