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Expertenvortrag zum Thema Mindestlohn

veröffentlicht um 26.02.2014, 13:01 von D. Körner   [ aktualisiert: 13.07.2014, 10:29 ]
Am Donnerstag, den 23. Januar 2014 wurde der Raum A101 für die 13. Wirtschaftsklassen zum Vorlesungssaal. Prof. Dr. Christian Merkl vom Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre (Makroökonomik) an der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg informierte die Schüler über aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Mindestlohn. Dabei stellte sich heraus, dass der Mindestlohn nicht nur politisch kontrovers bewertet wird, sondern dass je nach den zugrunde gelegten Annahmen auch die Forschungsergebnisse von Forschungsinstituten und Ökonomen durchaus unterschiedlich ausfallen. Ferner führten empirische Studien zu dem Ergebnis, dass von moderaten Mindestlöhnen keine negativen Beschäftigungseffekte ausgehen, hohe Mindestlöhne aber in jedem Fall zu einem Verlust an Arbeitsplätzen führen. Auf welche Höhe soll man also den Mindestlohn festsetzen? Prof. Dr. Merkl empfahl die Einsetzung einer Mindestlohnkommission analog zur „Low Pay Commission“ in Großbritannien. Diese Kommission besteht aus drei Personen mit Arbeitnehmerhintergrund, drei Personen mit Arbeitgeberhintergrund, zwei Personen aus der Wissenschaft und einem Vorsitzenden und wird zudem durch einen wissenschaftlichen Stab unterstützt. Sie hat in Großbritannien auf Basis vieler Untersuchungen und Analysen am Anfang einen sehr moderaten Mindestlohn vorgeschlagen, der dann sequentiell angehoben wurde. Ferner wurden Ausnahmeregelungen für junge Arbeitsnehmer (im Alter von 16 bis 17 Jahren sowie von 18 bis 20 Jahren) getroffen, um dem in vielen EU Staaten verbreiteten Problem der Jugendarbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Das ex ante Festlegen eines Mindestlohns auf 8,50 € sowie die Vorgabe eines festen Datums wie es die Bundesregierung im Koalitionsvertrag geregelt hat, hält Prof. Merkl aufgrund fehlender Flexibilität nicht für den richtigen Weg. So haben er und ca. 170 weitere Ökonomen bereits im Dezember einen Aufruf gestartet, in dem sie die Regierung auf Mängel beim geplanten Vorgehen hinweisen. Insgesamt fordern sie eine Kommission mit mehr Unabhängigkeit, Flexibilität und wissenschaftlicher Kompetenz.

In der anschließenden Diskussion mit den Schülern stellte Prof. Merkl klar, dass ein moderater Mindestlohn, der keine Arbeitsplätze vernichtet, nicht die Aufgabe des Staates übernehmen kann, die Existenzsicherung zu gewährleisten, sondern dass dafür andere Instrumente eingesetzt werden müssen.

Zum Abschluss ging Prof. Merkl den Fragen nach „Warum VWL?“ und „Warum VWL in Nürnberg?“. So haben Volkswirte im Gegensatz zu anderen Studiengängen keinen vorgezeichneten Weg, sondern sind vielseitig einsetzbar. Sie können z.B. im Bereich der Unternehmensberatung, der Marktforschung, bei Banken, in der Verwaltung oder auch wie Ulrich Maly als Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg arbeiten. Die FAU Nürnberg bietet den Studierenden viele Vorteile wie z.B. kleine Gruppen im Bereich des Bachelors, hohe Flexibilität bei der Fächerwahl, exzellente Auslandskontakte und Kooperationen z.B. mit BA, IAB und GfK. Abschließend wies Prof. Merkl die zukünftigen Studenten aber auch darauf hin, dass es für Volkswirte nicht alleine genügt, Interesse an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhängen zu haben, sondern dass auch eine gewisse Affinität für die Fächer Mathematik und Englisch gegeben sein sollte. 
Eva Brunner, OStRin

 
Prof. Merkl informiert Schüler der BOS-N über aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Mindestlohn.
[Foto: privat]